Was bringt die Urheberrechtsnovelle 2003?

Seit 1. Juli 2003 gilt die Urheberrechtsnovelle 2003, die einige wichtige Neuerungen bringt: Es wird unter anderem ein neues "Zurverfügungsstellungsrecht" für Urheber und Leistungsschutzberechtigte eingeführt, die Vervielfältigung zum eigenen (auch kommerziellen) Gebrauch ist nur mehr auf Papier zulässig, Einführung der Vervielfältigung zum privaten Gebrauch, Ausnahmen für behinderte Personen, juristischer Schutz von technischen Maßnahmen und Schutz von Kennzeichnungen.

                        NEUE WERKNUTZUNGSART        

Im ersten Teil der Kurzserie darf ich Ihnen das neue "Zurverfügungsstellungsrecht" näher bringen. Es geht, vereinfacht gesagt, um den Urheberrechtsschutz im Internet, die Regierungsvorlage spricht von dem exklusivem „Recht der interaktiven öffentlichen Zugänglichkeit“. Im Gegensatz zum Aufführungsrecht das dem Urheber die direkte „face to face“ Live-Aufführung vor öffentlichem Publikum vorbehält, schützt das neue "Zurverfügungsstellungsrecht" die Wiedergabe an die Öffentlichkeit, die an dem Ort, an dem die Wiedergabe ihren Ursprung hat, nicht anwesend ist. Nur mit Zustimmung des Urhebers d.h. des Autors, Komponisten, ausübenden Künstlers, Grafikers, Fotographen, Tonträgerherstellers etc. dürfen Werke künftig im Internet öffentlich zugänglich sein.

                        JEDER HOMEPAGE-BETREIBER KANN BETROFFEN SEIN

Praktische Auswirkung des neuen Rechts ist einerseits, dass jede Verwendung eines Werkes auf einer Homepage vom Berechtigten ausdrücklich für die Verwendung im Internet (bzw auf Abruf) lizensiert sein muss. Falls Sie beispielsweise alte grafische Logos, Fotos, Texte oder Musik aus der Vor-Internet-Zeit auf Ihrer Homepage verwenden, müssen Sie sich um eine neue Genehmigung des Grafikers, Fotografen bzw Urhebers kümmern bzw. künftig immer gleich die Zustimmung für die Veröffentlichung im Internet vereinbaren.

                        FILESHARING-PROGRAMME MEIST ILLEGAL

Andererseits betrifft das neue "Zurverfügungsstellungsrecht" auch die Verwendung von Peer-to-Peer Filesharing-Programmen wie Kazaa, gnutella und edonkey. Diese Programme ermöglichen den Dateiaustausch zwischen allen Benutzern, die dieses Programm gleichzeitig verwenden. Das Ausmaß des Dateitausches ist enorm: So wurde beispielsweise das Programm Kazaa bis Mai 2003 230 Millionen mal heruntergeladen und vermutlich auch installiert. Startet man das Programm, ist man mit Millionen Benutzern verbunden und kann von deren Festplatten hunderte Millionen von Dateien herunterladen. Verwenden Sie solche Programme werden auch Ihre Daten, die sich in einem bestimmten Ordner auf Ihrer Festplatte befinden, allen anderen Benutzern automatisch zur Verfügung gestellt. Ohne spezielle Lizenz für das neue Zurverfügungstellungsrecht darf aber nur der Urheber und Leistungsschutzberechtigte andere Internetbenutzer auf seine Werke zugreifen lassen. Auch der Kauf einer Musik-CD erlaubt nicht die Zurverfügungstellung der Musik im Internet. Deshalb ist das „normale“ Verwenden von heutigen Filesharing-Programmen meist illegal und kann auch technisch bis zu jedem einzelnen Benützer zurückverfolgt werden.

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