Wer
regelt das Internet?
Da
das Internet lediglich eine Konvention zur Versendung von Daten und
Konfiguration von Computern darstellt, kann eine nationale
Regelungsauthorität nicht greifen. Die österreichische
Regulierungsbehörde Telekom Control GmbH regelt zwar die Zusammenschaltung
von Infrastruktur (Kabel) und Schnittstellen, mit welcher Software diese
Infrastruktur aber genützt wird, wird nicht geregelt.
Von
Anfang an war das Internet immer vom Konsens aller Beteiligten getragen und
unkontrolliert von Regierungs- oder Zentralstellen. Dies ist auch der
große Unterschied von anderen revolutionären technischen
Entwicklungen, wie etwa Telefon, Radio oder Fernsehen. Dies spiegelt sich sogar
in der Terminologie der Internetorganisation wieder, wo, wann immer es um
Weiterentwicklung geht, von “Requests for Comment” (RFC), also
Aufforderung zur Stellungnahme, die Rede ist und neue Elemente dem User nicht
in einer Art “Iß oder stirb”-Mentalität vorgelegt werden
sondern dessen Mitarbeit geradezu erwartet wird. Sobald sich ein Konsens zu
solch einem “Request for Comment” ergeben hat, wird er in der
Realität umgesetzt und vom ganzen Internet befolgt. Es gibt tausende von
RFCs
[51]
und sie definieren zum Beispiel wie Computersysteme E-Mail austauschen, wie
Daten am besten weitergeleitet werden und so weiter.
Manche
bezeichnen das Internet als Anarchie, da es wie erwähnt keine allgemein
anerkannt “Führung” gibt. Dies mag zwar zum Teil stimmen, aber
zum größten Teil ist das Internet überhaupt nicht
anarchistisch. Es funktioniert nur deshalb, weil jeder Computer, der daran
angeschlossen ist, sich exakt an die tausenden RFCs hält. Es gibt keine
Behörde oder Organisation, die das Internet regelt. Jeder Internet- oder
Backbone Provider, der mit dem Internet verbunden ist, hat Kontrolle über
sein eigenes Netzwerk. Nichtsdestoweniger konnte sich das Internet
natürlich nicht als reine Anarchie etablieren. Bestimmte Funktionen wie
zum Beispiel die oben erwähnten Protokolle müssen koordiniert werden,
damit die Dienste funktionieren.
Eine
der größten Organisationen ist die Internet Society (ISOC)
[52].
Die ISOC, die 1992 gegründet wurde, organisiert Konferenzen, setzt
Arbeitsgruppen ein und kümmert sich hauptsächlich um administrative
Tätigkeiten.
Die
Internet Assigned Numbers Authority (IANA)
[53]
beschäftigt sich mit der Adressierung des Internets, weshalb sie für
die Regelung der Domainnamen große Bedeutung hat.
[54]
Ihr wurde diese Aufgabe auf Grund eines Vertrags mit dem US
Verteidigungsministerium und des Information Science Institutes an der
University of Southern California übertragen.
- Die
Berechtigung jeder dieser Organisationen das Internet zu regeln bleibt unklar.
Zwar wurden die grundsätzlichen Funktionsvoraussetzungen des Internets
unter direkter oder indirekter Aufsicht der Regierung der USA erstellt, diese
hat sich aber aus der Entwicklung des Internets zurückgezogen und
überläßt privaten Investoren das Feld. Immer wieder wird von
ihr betont, wie wichtig das ungeregelte Spiel der Kräfte der freien
Marktwirtschaft am Internet sei.
[51]
siehe zum Beispiel am FTP-Server der UNI-Wien unter
http://ftp.univie.ac.at/netinfo/rfc/
[52]
im Internet unter http://www.isoc.org
[53]
im Internet unter http://www.iana.org/iana
[54]
siehe zur IANA auch eben dort