Spezielle
Probleme das Internet zu regulieren
Eines
der wesentlichsten Kennzeichen der ”Informationsgesellschaft” ist
ihre globale Dimension. Über das Internet werden urheberrechtlich
geschützte Werke aus und in nahezu alle Länder der Welt digital
übertragen. Kennzeichnend ist die abnehmende Bedeutung geographischer
Grenzen und Entfernungen infolge weltweiter Kommunikationsnetze
[289].
Der technische Fortschritt schreitet in kaum vorhersehbarer Weise schneller
voran als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Er wird von
leistungsfähigen weltweiten Kommunikationsnetzen und ständig
wachsender Rechnerkapazität getragen. Es ist nicht mehr möglich,
Telekommunikation von netzgestützter Kommunikation via Computer (d.h.
Internet, Internet- Telefondienste usw.), elektronischen Medien und Inhalten
(Rundfunk, Online-Dienste, Multimedia) zu trennen. All diese Bereiche sind
nunmehr miteinander verschmolzen und haben sich dabei gewandelt. Und das
Ergebnis dieser Entwicklung ist, daß Informationsdienste nun
“netzunabhängig” angeboten werden können.
[290]
Auf
Ebene der EU-Kommission wurde Anfang Dezember 1997 ein Grünbuch
[291]
zur Konvergenz
[292]veröffentlicht.
Es soll als Grundlage für die in den nächsten fünf Jahren zu
gebenden politischen Antworten auf die neu entstehende Kommunikations- und
Medienlandschaft dienen. Darauf soll eine Richtlinie folgen. Kommissar
Bangemann meint, daß die Lösung eventuell in der Schaffung einer
einzigen europäische Regulierungsstelle für Kommunikations- und
Mediendienste liegt. Diese Auffassung wird angeblich auch vom Europäischen
Parlament geteilt.
[293]
Vergleicht man diese Aussagen mit der derzeitigen Medienpolitik in
Österreich - erst seit April 1998 ist es auch anderen Unternehmen als dem
ORF gestattet, ein, allerdings nur regionales, Radioprogramm auszustrahlen -
ist Bangemanns Ansatz wahrlich als visionär zu bezeichnen.
Andere
Probleme ergeben sich aus den unterschiedlichen Kulturen und politischen
Ansätzen, die einen weltweit einheitlichen juristischen Rahmen für
Inhalte im Internet eher unwahrscheinlich machen. Man denke zum Beispiel an
unterschiedliche Moralvorstellungen in den islamischen oder den westlichen
Ländern. Aber auch innerhalb der Staaten, die der westlichen Kultur
zuzuordnen sind, gibt es erhebliche Meinungsunterschiede, welche Bereiche einer
staatlichen Regelung überhaupt zugänglich sind. So vertritt zB
Präsident Clintons Berater in Internetfragen, Ira Magaziner, die Meinung,
daß die Anwendung der EU Datenschutzrichtlinie selbst in den
europäischen Staaten für die Vereinigten Staaten nicht akzeptierbar
ist. Ein diesbezüglicher Protest bei der WTO ist bereits angekündigt.
[294]
Vielmehr sollte sich die Industrie selbst Datenschutzbestimmungen auferlegen.
Falls Regierungen Datenschutzbestimmungen festlegen, befindet sich das Internet
im “Würgegriff”
[295].
Andererseits bestehen in Amerika Bestrebungen
[296],
den Einsatz von Verschlüsselungsprodukten zu regulieren, sodaß
sofortiger Zugriff der Strafverfolgungsbehörden auf den Klartext der Daten
gewährleistet ist (Key Escrow
[297]).
Solch ein System wird von Seiten der EU mit Hinweis auf Datenschutzbestimmungen
und die freie Auswahl der Bürger strikt abgelehnt.
[298] Beiden
Maßnahmen ist aber gemeinsam, daß sie eine finanzielle Belastung
der Wirtschaft darstellen. Ob sich die Maxime der US-Politik, die Entwicklung
von Standards im Internet ausschließlich der freien Wirtschaft zu
überlassen, wirklich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Aus europäischer
Sicht würde dies zu einer Verschlechterung der Rechte der Bürger
führen (zB: Datenschutz, Konsumentenschutz)
[289]
EU Wettbewerbskommissor M. Bangemann in Eine neue Weltordnung für globale
Kommunikation, im Internet unter
http://www.ispo.cec.be/infosoc/promo/speech/geneva.html
[290]
Bangemann in Eine neue Weltordnung, S. 6
[291]
Grünbuch zur Konvergenz der Branchen Telekommunikation, Medien und
Informationstechnologie und ihren ordnungspolitischen Auswirkungen KOM (97)623;
im Internet unter http://www.ispo.cec.be/convergencegp/
[293]
Bangemann in Eine neue Weltordnung, S. 6
[294]
US blasts European privacy directive on personal data, Reuters, 6.3.1998, im
Internet unter http://www.yahoo.com/headlines/980206/wired/stories/privacy_1.html
[295]
Magaziner: Internet must guarantee privacy, Maria Seminerio, ZDNet, 23.1.1998,
im Internet unter
http://headlines.yahoo.com/zdnews/stories/885602294.html
[296]
Clinton task force calls for key recovery , CNet, Dan Goodin, 5. November 1997,
im Internet unter
http://www.news.com/News/Item/0,4,16087,00.html
[298]
EU-Kommission lehnt Kryptographie-Pläne der USA ab, Pressetext Austria,
11. Oktober 97, im internet unter
http://www.pressetext.at/cgi-bin/cgiwrap/prestext/.cgi/display.pl.cgi?pta=971011001