Satellitengestützte
Datenübertragung
Techniker
entwickeln bereits eine dritte, weltweite Möglichkeit, das Internet
für jeden, überall und blitzschnell anzubieten. Die
Datenübertragung mittels Satelliten.
Mehr
als die Hälte der Weltbevölkerung hat noch nie telefoniert, da es in
ihrem Lebensraum weder Telefonkabel noch Mobiltelefonie gibt.
[226]
Für sie ist Satellitentelefonie derzeit die einzige Möglichkeit,
rasch und zu vertretbaren Kosten am weltweiten Informationsaustausch
teilzuhaben. Der insgesamte Marktwert dieser Technik wird weltweit auf 50
Milliarden US $ geschätzt und soll 1700 Satelliten umfassen.
Die
Kommunikationssatelliten werden auch als LEO-Satelliten bezeichnet. Dies ist
die Abkürzung für Low Earth Orbit und bedeutet, daß diese
Generation der Kommunikationssatelliten in der Erde wesentlich näheren
Bahnen plaziert werden
[227].
Dadurch kann eine wesentlich genauere Bündelung der Datenströme
erzielt werden und die Satellitentelefone benötigen keine
überdimensionalen Sende- und Empfangsteile.
Satellitenbasierende
Datennetzwerke können die gleichen Übertragungsgeschwindigkeiten
erreichen wie Glasfaserleitungen aber für weniger Geld erbaut werden,
meint Teledisc Präsident Russel Daggatt.
[228] Das
Unternehmen Motorola ist mit seinem “
Iridium”
genannten Satellitenprojekt bereits am weitesten fortgeschritten. Gemeinsam mit
Siemens und Vebacom wurde unter dem Motorola-Boss Edward F. Staiano das 6,3
Milliarden US $ teure Projekt konzipiert. Es umfaßt 66 Satelliten die in
einem “low earth orbit” (LEO) von 780 km Entfernung um die Erde
kreisen
[229]
und ist das technologisch anspruchsvollste System, da die gesamte Kommunikation
vom anrufenden zum angerufenen Satellitentelefon über Satelliten
geführt wird. Die Satellitentelefone sollen anfangs 3.000 US $ kosten. Der
weltweite Betrieb soll ab 23. September 1998
[230]
aufgenommen werden. Auch in Österreich ist dann das Telefonieren über
das Iridiumnetz möglich, da die Mobilkom Austria
[231]
und die max.mobil
[232]
bereits einen Roaming-Vertrag mit der Iridium LLC geschlossen hat.
[233] Unter
allen zukünftigen Satelliten-Projekten dürfte
Teledesic
die größte Chance auf Realisierung haben: Ab sofort arbeiten drei
Giganten an dem Plan, “Internet am Himmel” zu realisieren. Das
ohnedies mächtige Bündnis zwischen dem an zahlreichen
Telekommunikationsfirmen beteiligten Craig McCaw und Bill Gates (jeder ist mit
37 % an Teledisc beteiligt), dem milliardenschweren Chef von Microsoft, hat mit
Boeing einen adäquaten Partner bekommen. Der Flugzeug- und
Raumfahrtkonzern investiert 100 Millionen Dollar (etwa 1,2 Milliarden
Schilling) in das Gemeinschaftsunternehmen und erhält dafür zehn
Prozent der gewinnträchtigen Aktien. Der Wert der Teledesic-Aufträge
an Boeing wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt.
Das
Projekt soll ab dem Jahr 2002 über 288 Satelliten das Internet bis in die
entlegensten Winkel der Erde bringen.
[234]
Der Kunde des "Teledesic Network" wird nur eine kleine
Satellitenempfangsschüssel und ein spezielles Terminal brauchen, um
Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet zu haben. Das System soll lokalen
Internet-Providern erlauben, ihre Reichweite praktisch auf die ganze Erde
auszudehnen. Die Satelliten sollen nur in einer Höhe von 400 Meilen
plaziert werden, um Verzögerungen, die bisher bei
Satellitenübertragungen verursacht wurden, zu vermeiden.
Einen
scheinbar skurrilen Weg schlägt die Firma
Sky
Station International
(SSI)
[236]
ein. Sie will 250 mit Helium gefüllte Ballons in einer Höhe von 20-30
km plazieren und mit deren Hilfe Daten übertragen. Jeder Ballon soll eine
Fläche von 750.000 km
2
abdecken, im Frequenzbereich von 47 Giga Hertz senden und für die Anwender
Datendurchsätze in T1 Geschwindigkeit
[237]
zur Verfügung stellen. Die Anschlüsse an das System sollen nur 100
US$ kosten und ab dem Jahr 2000 angeboten werden.
[238] Das
Problem an der weltweiten Übertragung von Daten aus dem Internet via
Satellit ist, das die Technologie, die gebraucht wird um diese Datenmengen
zwischen den Satelliten weiterzuleiten meist noch nicht getestet werden konnte.
Wie erwähnt besetzen die LEO-Satelliten keinen geostationären Platz
sondern drehen ihre Runden um die Erde. Der logistische Aufwand um die Position
jedes Satellitentelefons mit der Position jedes Satelliten abzugleichen ist
enorm.
Auch
ob sich wirklich der Markt auftut ist fraglich. Charles H. Noski,
stellvertretender Vorsitzender von Hughes Electronics meint: “Wir sehen
einfach nicht den Markt um Telefongespräche in den Amazonasdschungel zu
übertragen”. Dieses Argument ist natürlich nicht von der Hand
zu weisen. Deshalb haben regionale Projekte die Nase vorn. Über den
Eutelsat-II-F3 wird bereits heute unter dem Namen DirectPC in Europa die
Lieferung von Internetdaten via Satellit angeboten.
[239]
Der große Unterschied besteht in der fehlenden “Intelligenz”
des Systems. Der Satellit dient lediglich als Sendekanal für via
herkömmlicher Telefonleitung bestellte Daten. So entsteht kein
Kommunikationsnetz im Himmel, wie dies die anderen Systeme visionär
beschreiben.
Die
Konkurrenz zwischen den erwähnten Unternehmen wird sich sicherlich positiv
auf die Preisgestaltung und auch auf das Leistungsangebot auswirken.
Mittelfristig kann somit sehr wohl eine Konkurrenz zum leitungsbasierenden
Festnetz auf der Erde entstehen.
[226]
Aus den Tiefen des Alls geplaudert, Die Presse, 26.5.1998, S. 31
[227]
400 bis 800 km über der Erdoberfläche. Die Intelsat-satelliten haben
eine geostationäre Umlaufbahn in der Höhe von 36.000 km.
[228]
The Satellite Blasts off, Businessweek, im Internet
http://www.businessweek.com/1997/04/b35118.htm
[229]
Handy-Technologie wird jetzt global, Telekom bald ein Billionenmarkt, Die
Presse vom 26.5.1998, S. 17
[230]
Das jüngste Land der Erde entsteht im LEO, Die Presse vom 27.10.1997, S
18, Handy-Technologie wird jetzt global, Telekom bald ein Billionenmarkt, Die
Presse vom 26.5.1998, S. 17
[231]
Roaming-Verträge erlauben Kunden eines Telecomnetzwerkes die
Inanspruchnahme von Leistungen eines anderen Telecomnetzes.
[232]
Handy-Technologie wird jetzt global, Telekom bald ein Billionenmarkt, Die
Presse vom 26.5.1998, S. 17
[233]
Ab 1998 weltweites Telefonieren der A-1 Kunden über IRIDIUM-Satellitennetz
möglich, PTA Newsroom, im Internet unter
http://www.pta.at/fr/news/newsroom/news971015a-fr.html
[234]
235Für
eine schnellere Welt, Zivadinovic/Kossel, Computer und Technik 8/97, 126
[236]
im Internet unter http://www.skystation.com
[237]
Der Ausdruck T1 wurde von der Firma AT&T geprägt, die damit
Datendurchsätze von 1.544 Megabit pro Sekunde bezeichnet. Dies entspricht
dem 25-fachen einer ISDN-Verbindung bzw. dem 60-fachen einer normalen
Modem-Verbindung. Näheres dazu im Internet unter
http://cnet.com/Resources/Info/Glossary/Terms/t1.html
[238]
Für eine schnellere Welt, Zivadinovic/Kossel, Computer und Technik 8/97, 126
[239]
Für eine schnellere Welt, Zivadinovic/Kossel, CT 8/97 124