Elektronischer
Handel - E-commerce
Elektronischer
Handel ist nicht neu: Seit Jahrzehnten tauschen Unternehmen Geschäftsdaten
über eine Vielzahl von Netzwerken aus. Durch die explosionsartige
Entwicklung des Internets dehnt sich der elektronische Handel rasant aus. Der
Begriff “elektronischer Handel” unterliegt zur Zeit radikalen
Veränderungen: Von einer reinen Vermittlung von Daten von einem
Unternehmen zu einem anderen über geschlossene Computernetzwerke, wandelt
er sich zu einem sich stark ausdehnenden Netzwerk von kommerziellen
Aktivitäten, die auf globaler Ebene mit einer sich ständig
erhöhenden Anzahl von kommerziellen und privaten Teilnehmern gänzlich
neue Möglichkeiten eröffnen. Von einem reinen Mittel zur
Übertragung von Daten hat sich das Netzwerk selbst zum Marktplatz
entwickelt.
Die
Vorteile liegen auf der Hand: Der Laden ist rund um die Uhr offen; Preise
können günstig kalkuliert werden, weil teure Ladenflächen und
Verkaufspersonal entfallen; für die Beratung können interaktive Foren
eingerichtet werden; Stammkundschaft kann über E-Mail betreut werden.
[144] Elektronischer
Handel manifestiert sich meistens in einer von 2 Spielarten: Dem
“indirekten” Handel, bei dem es lediglich zu einem elektronischen
Bestellen von wirklichen, greifbaren Gütern kommt, die daraufhin über
konventionelle Wege wie Post oder Botendienste zum Kunden gebracht werden. Die
andere Art ist der “direkte” elektronische Handel, bei dem die
gesamte Geschäftsabwicklung auf elektronischem Weg erledigt wird. Dazu
gehört das On-Line Bestellen, Zahlen und Liefern von unkörperlichen
Gütern und Dienstleistungen wie zum Beispiel Computersoftware,
Unterhaltungsinhalten oder weltweiten Informationsservices aber auch das
Telebanking. Dieser direkte elektronische Handel nützt die bestehenden
Möglichkeiten des globalen elektronischen Marktes voll aus,
stößt dabei aber immer wieder an neuartige Herausforderungen, die
den Wandel der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft sehr gut
dokumentieren. Als Beispiel sei hier das Bezahlen mit elektronischem Geld
erwähnt.
[145] Elektronischer
Handel ist von Beginn an aus globaler Sicht zu sehen. Für alle
Handelspartner ist der verbesserte Zugang zum größten aller
Märkte begleitet von Wettbewerbsherausforderungen von allen Teilen der
Welt. Die Vor- und Nachteile der Globalisierung sollen hier nicht das Thema
sein. Was allerdings für diese Arbeit aus der Erkenntnis der globalen
Wettbewerbsherausforderungen gewonnen werden kann, ist die Bedeutung
zukünftiger weltweiter Staatsverträge unter möglichst
großer Teilnahme und unter Aufsicht weltweit anerkannter Organisationen.
Zu denken ist hierbei vor allem an die UNO und deren Unterorgane und
Sonderorganisationen. Erste Schritte werden bereits getan. Besonders
hervorzuheben ist hier die United Nations Commission on International Trade Law
(UNCITRAL).
[146]
Diese, von der UNO Generalversammlung 1996 eingesetzte Kommission, deren
Sekretariat seinen Sitz in Wien hat, setzt sich mit der Vereinheitlichung des
internationalen Handelsrechts auf weltweiter Ebene auseinander und hat eine
eigene Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit juristischen Problemen des
elektronischen Handels beschäftigt. Erstes konkretes Ergebnis dieser
Arbeitsgruppe ist ein “Model Law on Electronic Commerce”
[147].
Ziel dieses “Model-Gesetzes” ist die Erleichterung des Einsatzes
moderner Kommunikationstechniken wie elektronischer Datenaustausch, E-Mail oder
Telefax, wobei diese Techniken den herkömmlichen papiergestützten
Handelspraktiken gleichgestellt werden.
Auch
Bill Gates tut seine Meinung zum E-Commerce kund und meint, daß der
“Internet Handel” weiter wachsen wird, sobald Konsumenten und
Anbieter sich an das Internet als Verkaufsmedium gewöhnt hätten. Auch
erwähnte Gates, daß es allerdings noch eine Zeit lang dauern wird,
bis das Internet als ernsthafter “marketplace” gesehen wird
[148]. Chuck
Martin, IBM-Vizepräsident meint zum Einsatz des Internets, daß es
unheimlich effizient sei. “Wenn eine Firma im Netz ist, dann ist sie
global, auch wenn sie nicht global denkt. Sie hat Zugang zu jedem Markt auf dem
Planeten. Diese Wirkung wird sich in Zukunft noch dramatisch
verstärken.”
[149] Als
Beispiel für den direkten elektronischen Handel mit dem Konsumenten ist
zum Beispiel der Kauf von Musik oder anderer digitalisierter Werke über
das Internet zu sehen. So bietet z.B. die amerikanische Plattenfirma Capitol
Records einzelne Titel ihrer Interpreten schon einen Monat vor Erscheinen im
Plattengeschäft im Internet zum kostenpflichtigen (0.99 - 1.99 US$)
Download in CD-Qualität an.
[150] Besonders
erfolgreich ist die Internet-Buchhandlung “Amazon.com”
[151],
deren Geschäftsergebnis sehr gerne von den Protagonisten der
“Internetgesellschaft” wie US-Präsident Clinton oder EU
Industrie- und Telekomkommissar Bangemann genannt wird. Innerhalb eines Jahres
wurde der Umsatz verzehnfacht und 1997 wurden 6,5 Millionen Bücher
abgesetzt,
[152]
ohne daß dieser Betrieb auch nur eine Filiale hätte. Auch in Europa
versucht sich Amazon Marktanteile zu sichern und übernahm bereits den
deutschen Marktführer im Online-Buchhandel, den ABC-Bücherdienst GmbH
(Regensburg).
[153]
“Amazon.com” - das Unternehmen hat 2,5 Millionen Bücher im
Angebot - ist ein Musterbeispiel für den Zusatznutzen des elektronischen
Handels: Abgesehen von selbstverständlichen Suchfunktionen und
Inhaltsangaben hat jeder Leser die Möglichkeit, seine Meinung zu den
jeweiligen Büchern zu veröffentlichen, sodaß sich der
Interessent vor der Bestellung ein Bild über das Produkt machen kann.
Die
Arbeitsgruppe der Bundesregierung geht davon aus, daß rechtliche
Rahmenbedingungen und technische Lösungen aufeinander abgestimmt sein
müssen. Für manche Interaktionen bildet die Anonymität der
Teilnehmer, im realen Leben durch Barzahlung gewährleistet, ein wichtiges
Element - “electronic cash" ist ein technisches Konzept zur Lösung
dieses Problems. Für andere Situationen muß die eindeutige
Identifizierbarkeit des Kommunikationspartners gewährleistet werden.
Während Rechtsvorschriften Mißbrauch lediglich verbieten und
allenfalls unter Strafe stellen, können sogenannte “privacy
enhancing technologies"
[154]
zu einer wirksamen Verhinderung von Datenschutzverletzungen beitragen.
[155] Der
elektronische Handel ist im letzten Jahr explodiert: Ende 1995 waren die
Verkaufsaussichten noch relativ schlecht eingeschätzt worden.
[156]
Die Shopping-Umsätze im Internet haben sich im vergangenen Jahr
vervierfacht, jede dritte kommerzielle Website ist bereits profitabel. Das
ergab eine Untersuchung von rund 3.000 Unternehmen weltweit, die vom
amerikanischen Forschungsinstitut ActivMedia Research präsentiert wurde.
[157]
Während kommerzielle Anbieter im Frühjahr 1996 monatlich im Schnitt
um 7.100 US-Dollar Produkte online verkauft haben, waren es im Frühjahr
1997 bereits 25.500 Dollar. Die Anzahl der Personen , die das WWW zum Einkaufen
benützt haben, schnellt innerhalb von 18 Monaten von 7 auf 17 Millionen
Kunden hinauf.
[158]
1997 wurden in Deutschland Güter und Dienstleistungen im Wert von mehr als
900 Millionen Mark via Datennetz umgesetzt.
[159]
In fünf Jahren (2003) sollen mit Electronic Commerce in Deutschland 40
Milliarden Mark umgesetzt werden, davon 95 % über das Internet.
[160] Auch
die Europäische Union erkennt den Wert des Elektronischen Handels. Die
Europäische Kommission schätzt das Volumen im Jahr 2000 auf 200
Milliarden Ecu.
[161]
Für 1998 werden die Umsätze via Ecommerce in Europa von Forrester
Research auf 64,4 Milliarden Dollar, fast 800 Milliarden Schilling
geschätzt.
[162]
Es
gibt allerdings noch immer große Hindernisse, die der Weiterverbreitung
des Handels über das Internet entgegenstehen. So listet eine Studie des
angesehenen
[163]
CommerceNet die Top Ten Hindernisse des Jahres 1997 auf.
[164]
Als Hindernis Nummer eins wird “Trust” also Vertrauen genannt, auf
den Plätzen folgen die Unmöglichkeit Zahlungen zu tätigen, die
Unterschiedlichkeit der Computeranwendungsprogramme und das Fehlen von
Standards. Abgesehen von diesen Hindernissen zeigt die Studie aber auch,
daß die Frage nach der generellen Nutzung des Internets nicht mehr
aktuell ist. Es ist viel mehr zu fragen, wie die Personengruppen beschaffen
sein werden, die tatsächlich Einkäufe und Verkäufe über das
“Netz der Netze” tätigen werden.
Nach
der Studie von Forrester Research “Law, regulation and the Internet”
[165]
führen die USA im elektronischen Handel gefolgt von Deutschland,
Großbritannien, Japan und Kanada. Der Bericht ist auch aus
österreichischer Sicht interessant, denn er sagt Österreich und der
Schweiz ein sehr hohes Wachstum in diesem Bereich voraus. Dies soll durch die
Erschließung neuer Märkte, vor allem innerhalb der Europäischen
Union, erreicht werden. Diese Wachstumschancen sind nicht von der Hand zu
weisen. Österreich beherbergt eine große Zahl an spezialisierten
Klein- und Mittelbetrieben. Mit dem Einrichten einer Homepage ist bereits ein
erster Schritt am Internet getan. Der potentielle Handelspartner, der sich
irgendwo auf der Welt befinden kann, kann dann zumindest von der Existenz des
spezialisierten Anbieters erfahren und sich mit diesem zumindest über
herkömmliche Kommunikationsformen in Kontakt setzen. Idealerweise wird auf
der Homepage gleich die Möglichkeit zur Bestellung geboten.
Größere
Einzelhandelsunternehmen in Österreich haben bereits diese Chance erkannt.
So
bietet der Magnetmarkt
[166]
einen großen Teil seines Angebots auf dessen Homepage zur Auswahl an.
Sobald man mit dem Auswählen fertig ist, schickt man die Bestellung online
ab, und sobald diese bei Magnet angekommen ist, wird ein Paket mit dem Einkauf
gepackt, das bis 19:30 Uhr in der ausgewählten Filiale abgeholt werden
kann.
Die
Meinl-Kette
[167]
präsentiert sich mit einem ähnlichen Angebot im WWW. Die Ware wird
direkt nach Hause zugestellt
[168].
Ebenso
die Billa-Gruppe
[169],
die die Bestellung allerdings an einige Auflagen knüpft.
[170] Aber
auch die Klein- und Mittelunternehmen scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu
haben und setzen auf das Internet. Der Anteil der Unternehmen mit
Internetzugang hat sich seit 1995 vervierfacht.
[171]
10 % der Betriebe verwenden bereits Internet; weitere 10 % planen einen
Netzzugang. Besonders beeindruckende Entwicklung in den strukturschwachen
Regionen: 1995 im Internet praktisch nicht vertreten, kommen Unternehmen aus
jenen Gebieten im Jahr 1997 auf einen Betriebsanteil von 7 %.
Drei
Viertel aller Klein- und Mittelunternehmen verfügen 1997 über einen
Computer. Ein Drittel der Betriebe besitzt 1997 bereits ein Modem. Klein- und
Mittelbetriebe nutzen auch vermehrt das zunehmende ISDN Angebot. Während
1995 nur 3 % der Betriebe an das ISDN angeschlossen waren, beläuft sich
der Anteil 1997 auf 11 %. Werden die geplanten Anschlüssse realisiert, so
verdoppelt sich der Anteil der Betriebe, die über ISDN verfügen.
[172] Auf
lange Sicht gesehen ist es aber nicht so sicher, daß das Internet
überhaupt das richtige Trägermedium für den Verkauf von Waren
oder Dienstleistungen ist. Vielmehr könnte es dazu dienen, Kosten zu
reduzieren und kundenspezifische Auskünfte rasch und unkompliziert zu
beantworten. Das beste Beispiel dafür ist die Webseite von Federal
Express, einem US-amerikanischen Zustellservice. Auf deren Webseite
[173]
ist ein Tracking-Service eingerichtet, mit Hilfe dessen man genau erfahren
kann, wo sich das zu befördernde Gut gerade befindet.
[144]
Einkaufen in der guten Stube, Der Standard, Mittwoch, 8. April 1998, Seite 201,
im Internet unter http://www.derstandard.at/webstandard/internet_direkt/138.htm
[146]
UNCITRAL, im Internet http://www.un.or.at/uncitral/index.html
[147]
im Internet unter http://www.un.or.at/uncitral/texts/electcom/ml-ec.htm
[148]
Bill Gates in seiner Rede beim «Compaq Computer´s Innovate Forum
1997», siehe Reuters vom 10.4.1997
[149]
“Nicht jeder wird Zugang zu diesem Fenster in die Welt haben”, Die
Presse vom 20.10.1997, S 18
[150]
Capitol to sell song online before store release, Reuters vom 6.9.1997, im
Internet unter http://biz.yahoo.com/finance/97/09/06/aol_hwp_p_1.html
[151]
Im Internet unter http://www.amazon.com
[152]
Net Stocks On A Tear Following Clinton's Comments, Bob Woods, Newsbytes
03/01/98, im Internet unter http://www.currents.net/newstoday/98/03/01/news4.html
[153]
Hochzeit im Internet-Buchhandel, APA Info-Highway, 29.4.1998, im Internet unter
http://www.wibi.apa.at/scripts/depot/hig/19980429DBI008.txt
[154]
gemeint ist damit der Einsatz von Verschlüsselungstechnologien
[155]
Bericht der Arbeitsgruppe, Seite 82, 10.1.9
[157]
The 1997 Real Numbers behind ´Net Profits, im Internet unter
http://www.activmedia.com/NetProfits.html
Die
Studie basiert auf Telefoninterviews mit Personen über 16 Jahren, die in
zufällig ausgewählten Haushalten in den USA und Canada
durchgeführt wurde. Spezielle Sample-Techniken und Gewichtungen sollen
sicherstellen, dasz die Antworten der mehr als 6.600 Befragten auf die
Gesamtbevölkerung der USA und Canadas übertragbar sind.
[158]
Search Engines most popular Method of Surfing the Web, CommerceNet, im Internet
http://www.commerce.net/news/press/0416.html
[159]
Digitalisierte Geschäftsverbindungen, Die Presse, 26.5.1998, S. 32
[160]
Digitalisierte Geschäftsverbindungen, Die Presse, 26.5.1998, S. 32
[161]
Information Society Trends - Issue 67, E-Mail der Europäischen Kommission,
liegt beim Autor auf.
[162]
Einkaufen in der guten Stube, Der Standard, Mittwoch, 8. April 1998, Seite 201,
im Internet unter http://www.derstandard.at/webstandard/internet_direkt/138.htm
[163]
Commercenet ist ein Zusammenschluß von 500 Unternehmen und Organisationen
weltweit. Dabei sind so klingende Namen wie IBM, American Express, Bank of
America, Citibank, Hewlett-Packard, Intel, Microsoft und viele andere.
Näheres im Internet unter http://www.commerce.net
[164]
April 1997 Buzz, Top ten Inhibitors to Electronic Commerce, im Internet
http://www.commerce.net/services/buzz/buzz4_97.html
[165]
Im Internet unter http://www.forrester.com/pressrel/L970507V.htm
[166]
Im Internet unter http://www.magnetmarkt.co.at
[167]
Im Internet unter http://www.meinl.com
[168]
Dabei wird eine Zustellgebühr von öS 49,- zum Warenwert addiert.
[169]
Im Internet unter http://www.billa.co.at
[170]
Mindestbestellwert: ÖS 500, Zustellgebühr: ÖS 99,- pro Paket bis
zu einem Gewicht von 30kg , das Ausfüllen persönlicher Daten ist
erforderlich.
[171]
Pressemitteilung, "Ja" zu Computer, Handy, Internet und Co.,
Telekommunikations-Studie 1997 des Instituts für Gewerbe- und
Handwerksforschung, im Internet unter http://www.ifg.ac.at/de/presse1114.htm
Die Ergebnisse beruhen auf zwei Erhebungen, die 1995 und 1997, jeweils Juni,
vom IfG durchgeführt wurden.
[172]
Pressemitteilung, "Ja" zu Computer, Handy, Internet und Co.,
Telekommunikations-Studie 1997 des Instituts für Gewerbe- und
Handwerksforschung, im Internet unter http://www.ifg.ac.at/de/presse1114.htm
[173]
Im Internet unter http://www.fedex.com